Der Schweizerische Fussballverband (SFV) hat seine Unterstützung für Gianni Infantino bei der anstehenden FIFA-Präsidentenwahl zurückgezogen. Damit verweigert der Heimatverband des amtierenden FIFA-Chefs diesem die Gefolgschaft und begründet dies mit anhaltenden Zweifeln an der Führung und Transparenz des Weltverbands.
Der Exekutivausschuss des SFV hatte seine Unterstützung für Infantino erst im Juni dieses Jahres bekräftigt. Jetzt sei man zu dem Schluss gekommen, dass die notwendigen Voraussetzungen für ein Vertrauen in die FIFA-Führung nicht mehr gegeben seien, teilte der Verband mit. „Der Schweizerische Fussballverband erwartet von der FIFA-Führung höchste Standards an Transparenz, Rechenschaftspflicht und institutioneller Verantwortung“, sagte SFV-Präsident Peter Knäbel.
Kritik an Entscheidungsfindung
Konkret nannte der Verband Bedenken hinsichtlich der Entscheidungsmechanismen und politischer Einflussnahme. Als Beispiel führte er die Aufhebung einer Sperre für den US-Stürmer Folarin Balogun nach der letzten Weltmeisterschaft an. Diese Entscheidung sei nach einem Telefonat zwischen dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump und Infantino gefallen, so der SFV. Solche Vorgänge unterminierten das Vertrauen in die Integrität der FIFA. Die Bedingungen seien „wesentlich, um Vertrauen in die Governance des internationalen Fussballs und in die Integrität der FIFA zu haben“, so der Verband.
Hinzu kam die umstrittene „FIFA Forward Enterprise“-Initiative. Infantinos Plan sah vor, eine kommerzielle Tochtergesellschaft zu gründen, die die größten Turniere wie die Weltmeisterschaft ausrichten sollte und an der private Investoren Anteile erwerben könnten. Nach Medienberichten Ende Juli und einer weltweiten Gegenreaktion wurde der Vorschlag innerhalb weniger Tage wieder fallengelassen. Für den SFV war dies ein weiteres Zeichen für intransparente Prozesse.
Wahlkampf und Gegenkandidat
Infantino, der bislang als einziger Kandidat für die Wahl am 18. März in Rabat galt, verliert damit die Unterstützung seines eigenen Landes. Die UEFA, deren Hauptsitz wie der der FIFA in der Schweiz liegt, führt die Opposition gegen ihn an. Der europäische Verband will nächste Woche in Berlin mit seinen 55 Mitgliedsverbänden beraten, um bis zur Nominierungsfrist am 18. November einen Gegenkandidaten zu finden. Infantino genießt weiterhin die Unterstützung Saudi-Arabiens, des Gastgebers der WM 2034, sowie der afrikanischen und südamerikanischen Kontinentalverbände.
Für die Schweizer Nationalmannschaft, die mit vier Siegen in Folge in der Länderspielpause einen starken Lauf vorweisen kann, hat die Entscheidung keine direkten sportlichen Auswirkungen. Das Team gewann zuletzt am 6. Oktober mit 3:0 gegen Nordmazedonien, Tore erzielten Fabian Rieder, Johan Manzambi und Dan Ndoye. Der nächste Einsatz ist ein Auswärtsspiel in Slowenien am 13. November. Die aktuelle Form und der Kader bieten eine solide Grundlage für die kommenden Aufgaben, unabhängig von den Führungsdebatten im Weltverband.
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