FIFA-Präsident Gianni Infantino hat sich beim FIFA-Rat für Fehler in zwei kontroversen Angelegenheiten entschuldigt. Auf der Sitzung am Donnerstag sagte er zu den umstrittenen Punkten, es seien „Fehler“ gemacht worden, lieferte aber keine näheren Erklärungen, die von europäischen Delegierten gefordert wurden.

Die erste Kontroverse betrifft den als FIFA Forward Enterprise bekannten Investitionsplan. Dabei handelte es sich um einen Vorschlag, kommerzielle Rechte der Weltmeisterschaft im Wert von 4,2 Milliarden Dollar an ein Konsortium unter Führung von Joshua Kushner, dem Schwiegersohn von Donald Trump, zu verkaufen. Der Plan wurde bereits im Juli aufgegeben. Infantino betonte, das Projekt sei „nur ein Vorschlag gewesen, also keineswegs ein abgeschlossenes Geschäft“. FIFA erklärte, Details des Investorprojekts blieben aufgrund laufender Gerichtsverfahren in den USA vertraulich.

Die zweite Angelegenheit ist der Fall von Folarin Balogun, bei dem es um eine umstrittene rote Karte und eine Intervention des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump ging. Auch hierzu gab Infantino keine weiteren Informationen preis.

Europäische Kritik bleibt hart

Die mangelnde Transparenz stieß auf scharfe Kritik, insbesondere von UEFA-Vertretern. Bernd Neuendorf, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes, fasste die Stimmung zusammen: „Es wurden keine zufriedenstellenden Antworten geliefert.“ Debbie Hewitt, FIFA-Vizepräsidentin und Chefin des englischen Fußballverbands, wurde deutlicher. „Der Mann muss diese Fragen beantworten. Wenn er diese Fragen nicht beantwortet, nein, dann ist er nicht geeignet, FIFA-Präsident zu sein“, sagte sie.

Die UEFA führt Bestrebungen an, Infantino vor oder bei der FIFA-Präsidentenwahl im März abzulösen. Der europäische Verband hat sogar US-Gerichte um Beweismittel für eine Strafanzeige gegen Infantino in der Schweiz ersucht. Diese soll sich auf angebliches Fehlmanagement der FIFA-Finanzen beziehen. Infantino bat die europäischen Delegierten, ihre Fragen schriftlich bis zum 18. November einzureichen, dem Stichtag für die Nominierung von Kandidaten für die Wahl.

Finanzielle Zugeständnisse und interne Dynamik

Gleichzeitig versuchte der Präsident, mit finanziellen Zugeständnissen zu beruhigen. Er bot an, die FIFA-Förderung für jeden der 211 Mitgliedsverbände in den nächsten vier Jahren um 15 Millionen Dollar aufstocken. Dies käme on top zu den bereits zugesagten 10 Millionen Dollar pro Verband bis 2030. Der FIFA-Rat besteht aus 37 Mitgliedern, darunter acht UEFA-Delegierte, die von ihren Kontinentalverbänden für vier Jahre gewählt werden. Jedes Ratsmitglied erhält ein jährliches Salär von 250.000 Dollar, Kontinentalpräsidenten sogar 300.000 Dollar.

Nicht alle stehen dem Präsidenten kritisch gegenüber. Ahmed Yahya, der Chef des mauretanischen Fußballverbands, erklärte, afrikanische Wähler sähen in Infantino nach wie vor die richtige Person, um den Fußball zu führen. Der Rat wird auch prüfen, ob der Friedenspreis, der im vergangenen Dezember an Trump verliehen wurde, weiterhin vergeben werden soll.

Die aktuelle Phase wird als die größte Krise in Infantinos elfjähriger Amtszeit beschrieben. Sie überschattet auch eine erfolgreiche Phase der Schweizer Nationalmannschaft. Diese befindet sich in herausragender Verfassung und hat ihre letzten vier Länderspiele allesamt gewonnen, zuletzt mit 3:0 gegen Nordmazedonien am 6. Oktober. Das nächste Spiel der Nati ist ein Auswärtsspiel in Slowenien am 13. November, ein Blick auf den Spielplan zeigt die weiteren Termine. Top-Torjäger in dieser Saison ist bisher Johan Manzambi mit drei Treffern.

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